Sind die ersten kühlen Tage da, steigt die Sehnsucht, sich mit weichen, kuscheligen Dingen zu umgeben.

Schöne, weiche  Wollpullis und Kuscheldecken sind nun gefragt. Vielfach sind diese aus oder mit Angorawolle, Mohair oder Schafwolle hergestellt.

Kaninchen sind sehr bewegungsfreudige und gesellige Tiere, die den Tag mit Hoppeln, Graben, Ausstrecken und auch Männchen machend verbringen. Wer von Ihnen Hasen oder Kaninchen hat, weiß um die Aktivitätsfreude dieser Tiere.

Geht es um Werbung für Kleidung, Decken etc., entsprechen die  oft zu Werbezwecken benutzten Bildchen mit  Kaninchen auf grünem Gras o.ä. leider meist nicht der Wahrheit.

Über 90% der Angorawolle kommt aus China (ca. vier Millionen Angorakaninchen werden dort zur Wollgewinnung gehalten). Dort gibt es keine Tierschutzgesetze. Angorakaninchen sind so gezüchtet, dass sie besonders langes Fell produzieren, was allerdings auch bedeutet, dass sie sich selbst nicht mehr sauber halten können. Daher gehören diese Kaninchen auch schon zur Qualzucht. Sie leben in engen Einzelkäfigen mit Gitterböden, an denen sie sich häufig an ihren Läufen verletzen. Süß sehen sie aus, mit  plüschig langem, silberweißen Fell und pelzigen Löffeln. Jedoch ab einem Alter zwischen sechs bis acht Wochen beginnt ihre Qual. Ab dann, alle drei Monate, werden sie geschoren oder gerupft. Dazu werden sie auf Holzbrettern oder kopfüber hängend fixiert, damit sie sich nicht wehren oder zu viel zappeln können. Kaninchen sind Fluchttiere und diese Behandlung allein ist für  sie äußerst stressvoll und traumatisch. Hinzu kommen die Schmerzen durch die Fellgewinnung. Diese läuft auch nicht immer ohne Verletzungen ab, die oft nicht einmal behandelt werden.

Oftmals fallen die Kaninchen nach der „Ernte“ in eine Schockstarre. Wozu hat ein Kaninchen Fell? Natürlich zum Wärmeschutz. Dieser Schutz fehlt nun. Hinzu kommt noch der Schock der Behandlung. Die Mortalitätsrate ist daher kurz nach der Schur  auch besonders hoch. 50% der Todesfälle treten in der ersten Woche nach der Schur auf. 60% der Tiere sterben innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre, meist an Herzanfällen oder Lungenentzündungen.

Die Kaninchen, die überleben, versuchen den Wärmeverlust wieder auszugleichen - indem sie ihre Nahrungsaufnahme verdoppeln. Dies wiederum belastet das empfindliche Stoffwechselsystem. Normalerweise haben Kaninchen eine Lebenserwartung von zehn Jahren. Als Wolllieferant haben sie nach maximal vier Jahren ausgedient, da mit dem Alter auch der Wollertrag nachlässt. Von einem Angorakaninchen kann man jährlich 1.500 Gramm Wolle „ernten“ (in Ausnahmefällen etwas mehr). Daraus lassen sich drei bis vier Pullover stricken.

Der Deutsche Tierschutzbund gehört der Fur Free Alliance „One Voice“ an. Die Fur Free Alliance ist ein Zusammenschluss von über 40 internationalen Tierschutzorganisationen.

Auf der Webseite des Deutschen Tierschutzbundes ist  ein Video der französischen Partnerorganisation eingestellt. Zu sehen ist  der „Erntevorgang“ auf einer französischen Angora-Kaninchen-Farm.

https://www.tierschutzbund.de/aktion/mitmachen/verbrauchertipps/pelzprodukte/angorawolle/

Seit 2015 haben sich bereits 120 Firmen bereit erklärt, Angora aus ihrem Sortiment zu verbannen.

Die Wolle von Angoraziegen ergibt die Mohair-Wolle. Die Angora-Ziege stammt aus der Türkei und wurde über die vergangenen Jahrhunderte  überwiegend nach Südafrika, Australien, Argentinien und in die USA exportiert, wo sich große Zuchtfarmen entwickelten. Die Angora-Ziege hat ein rein weißes, seidiges Haarkleid und Hängeohren.

Da die Ziegen sehr nässeempfindlich sind, eignen sie sich nicht für eine Zucht in Mitteleuropa. Sie werden ausschließlich zur Wollgewinnung gehalten .bild2

Die erste Schur findet mit ca. sechs Monaten statt und ergibt das besonders feine Kid Mohair. Der jährliche Wollertrag ergibt drei bis fünf Kilogramm bei zweimaliger Schur.

Jährlich werden ca 15.000 Tonnen Mohairwolle produziert, der Großteil kommt aus Südafrika. Aber auch bei dieser Wollherstellung gibt es Verstöße gegen den Tierschutz. Um tödlichen Fliegenlarvenbefall  bei den Ziegen, aber auch bei den Schafen und Merinoschafen, zu verhindern, müssen die Tiere das Mulesing über sich ergehen lassen. Dabei werden dem Lamm ohne Betäubung große Fleischstreifen von den Hinterbeinen und um den Schwanz herum entfernt.

Bei der zweimal im Jahr stattfindenden Schur geht es oft sehr brutal zu, und sie hinterlässt oft verletzte oder verstümmelte Tiere, da die Scherer nach (Woll-) Masse und nicht nach Arbeitszeit bezahlt werden. Die Akkordschur auf den Farmen geht oft über Wochen. Auch hier haben sich bereits Firmen bereit erklärt, Mohair aus ihrem Sortiment zu verbannen. Die Schafwollproduktion in Australien verläuft nach ähnlichem Muster. Zudem werden die zu alt bzw. unproduktiv gewordenen Schafe dann zu Hunderttausenden auf mehrstöckigen Schiffen (Wind und Wetter ausgesetzt) wochenlang in den Nahen Osten in die Schlachthäuser verschifft, bis dann dort ihr bisheriges qualvolles Leben grausam beendet wird.

Mittlerweile gibt es geeignete Materialalternativen zur Wolle, aus Pflanzen- oder Kunstfasern, wie zum Beispiel Tencel, PolyLana, Sojaseide, Sea cell, Lyocell, Modal, Hanf oder Bambus. Wir bedanken uns bei Animal Angels für die zur Verfügungstellung der Transportfotos.

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